Blended Counseling – Beratung weitergedacht.

Empfehlungen zur Umsetzung mit DigiSucht

Blended Counseling etabliert sich zunehmend als moderner Standard in der Beratungslandschaft.

Mit dem Begriff (ins Deutsche übersetzt: “gemischte Beratung”) ist die Verbindung der unterschiedlichen Kommunikationskanäle, also der Face-to-Face-Beratung und der digitalen Kanäle (z. B. Mail- oder Videoberatung), gemeint. Die Kombination aus persönlichen Gesprächen vor Ort und digitalen Formaten wie E-Mail- und Videoberatung ermöglicht eine flexible, niedrigschwellige und zeitgemäße Unterstützung für Ratsuchende.

In Zusammenarbeit mit der Suchtkooperation NRW, der Hessischen Landesstelle für Suchtfragen, delphi GmbH sowie mit den Caritasverbänden für das Erzbistum Köln und Bistum Münster e.V. wurde seit Ende 2024 eine Umsetzungsempfehlung für Blended Counseling mit DigiSucht erarbeitet.

Blended Counseling beschreibt die systematische und fachlich begründete Verknüpfung verschiedener analoger und digitaler Kommunikationskanäle innerhalb eines zusammenhängenden Beratungsprozesses. Ziel ist es, die Stärken der unterschiedlichen Kanäle so zu kombinieren, dass Ratsuchende bestmöglich unterstützt werden. Die Auswahl und der Wechsel zwischen Kommunikationswegen erfolgen dabei nicht zufällig, sondern sind das Ergebnis einer professionellen Entscheidung, die sich an dem Beratungsprozess und dem Gegenüber orientiert (inhaltliche und/oder organisatorische Gründe).

Betrachtet man Blended Counseling auf inhaltlicher Ebene, kann ein Kanalwechsel viele Chancen für den Beratungsprozess mit sich bringen. Unter anderem, wenn ein Beratungsprozess ins Stocken gerät, sich im Kreis dreht und nicht vorankommt, kann es hilfreich sein, einen Kanalwechsel zu überlegen.

Mögliche Situationen oder Themen könnten folgende sein (diese sind nur Impulse und dienen zur Inspiration):

  • Vor-Ort-Termine müssen mit einem hochstrittigen Paar immer wieder abgebrochen werden. Dies könnte durch eine Videoberatung (Paar muss örtlich getrennt sein) entschärft werden.
  • Beim Erzählen verliert sich die ratsuchende Person immer wieder in ihren Gedanken und hüpft von einem Thema zum nächsten. Per Mail kann die Person alle Gedanken aufschreiben und in der nächsten Stunde gemeinsam in der Beratung priorisieren und die Themen strukturieren.
  • Eine ratsuchende Person befindet sich in einer hochemotionalen Situation (z. B. Scheidung) und kämpft gegen den Suchtdruck. Kurze Nachrichten an die aktuell beratende Person können entlastend wirken.

Ein Kanalwechsel kann auch aus organisatorischen Gründen sinnvoll sein. Für folgende Zielgruppen könnte dies geeignet und hilfreich sein:

  • Alleinerziehende: Die Kinderbetreuung erschwert Vor-Ort-Termine sowie Nachmittagstermine
  • Ländlich Wohnende: schlechte Anbindung/lange Wege erschweren den Zugang zu einer Beratungsstelle
  • Mobilitätseingeschränkte Personen: erschwerte Anreise zur Beratungsstelle ggf. mit Begleitperson, die zu organisieren wäre
  • Berufstätige mit unregelmäßigen Schichten oder Anwesenheiten wie z. B. Montagearbeit, Arbeit im Schichtsystem oder Dienstreisen
  • Jugendliche und junge Erwachsene: oft hohe Medienaffinität, Wunsch nach Anonymität
  • Personen mit Angst vor Stigmatisierung, z. B. aus bestimmten Berufsgruppen, die nicht in oder vor einer Suchtberatungsstelle gesehen werden möchten
  • Menschen mit komorbiden psychischen Erkrankungen wie z. B. Sozialphobien/Angststörungen
  • Gehörlose und Menschen mit Lautsprachverlust

Seit 2022 gibt es mit DigiSucht eine bundesweite Onlineplattform, die – gemeinsam mit Stakeholdern, Landesvertretenden und weiteren Akteur*innen – speziell für die Suchtberatung entwickelt wurde. Sie ist über www.suchtberatung.digital erreichbar; Informationen zum Datenschutz finden sich in der Datenschutzerklärung unter www.suchtberatung.digital/datenschutz/. Die Entwicklung und Erprobung der DigiSucht-Plattform wurden bis Ende 2023 mit Mitteln des Bundesministeriums für Gesundheit (BMG) gefördert. Der Betrieb der Plattform und die bundesweite Koordination werden seit 2024 anteilig von den beteiligten Bundesländern finanziert. Somit ist die Nutzung für Träger und Verbände der Suchthilfe kostenfrei.

Für die Beratung stehen auf DigiSucht folgende Kommunikationskanäle zur Verfügung:

  • Nachrichten („Mailberatung“)
  • Textchat
  • Videoberatung
  • Telefonberatung
  • Gruppenberatung per Chat und/oder Video
  • Digitale Tools/ Übungen, z. B. Konsumtagebuch, Motivationswaage

Vorteile für die Einrichtungen der SuchthilfeZielsetzung auf verschiedenen Ebenen

Dimension der Ratsuchenden

  • deutlich erleichterter Zugang zu Beratung
  • einfache Integration von Beratung in den Alltag
  • Erhöhung des Gefühls von Sicherheit und Vertrauen durch mögliche Anonymität

Beratungsfachliche Dimension

  • Prozessflexibilisierung
  • variierende Intensität
  • methodische Erweiterung
  • Krisenintervention
  • Reduktion von Beratungsabbrüchen

Organisationale Dimension

  • Bindung und Gewinnung von Fachkräften
  • effizientere Nutzung bestehender Ressourcen
  • Wahrnehmung der Einrichtung in der Öffentlichkeit als modern, zugänglich und innovationsorientiert

Kontakt / Verantwortliche

Die Umsetzungsempfehlung “Blended Counseling – Beratung weitergedacht. Empfehlungen zur Umsetzung mit DigiSucht” wurde unter Federführung der NLS in enger Zusammenarbeit mit der Geschäftsstelle der Suchtkooperation NRW, der Hessischen Landesstelle für Suchtfragen e. V., delphi Gesellschaft für Forschung, Beratung und Projektentwicklung mbH, dem Caritasverband für das Erzbistum Köln e. V. und dem Caritasverband für das Bistum Münster e. V entwickelt.

Finanziert wurde dies im Rahmen einer Projektförderung durch das Niedersächsische Ministerium für Soziales, Gesundheit, Arbeit und Gleichstellung.

Wir bedanken uns an dieser Stelle besonders für den konstruktiven Austausch, die kreativen Ideen, die kritischen Rückfragen und den gesamten Beitrag aller Workshop-Teilnehmenden!

Ihre Ansprechperson


Niedersächsische Landesstelle für Suchtfragen (NLS)

Fabienne Jaax

Grupenstraße 4, 30159 Hannover