KOMPETENT IN SUCHTFRAGEN

Bericht über die NLS-Jahrestagung 2025

NLS-Jahrestagung am 26.08.2025 zum Thema "Cannabis - Alles im grünen Bereich?"

Am 26.08.2025 fand die NLS-Jahrestagung unter dem Motto „Cannabis – Alles im grünen Bereich?“ im Pavillon in Hannover statt. Im Fokus stand die Teillegalisierung zum 01.04.2024 und ein kritischer Blick auf die Veränderungen seit dem Inkrafttreten des Gesetzes. Rund 140 Menschen aus Fachstellen, Politik und weitere Interessierte begleiteten den Tag. Moderiert wurde die Tagung von Michael Cuypers, Geschäftsführer der NLS.

Nach Eröffnung und Grußworten von Serdar Saris, Vorsitzender der NLS und Kerstin Tack, Vorsitzende der LAG FW e.V., bot Prof. Dr. Kirsten Müller-Vahl einen differenzierten Blick auf Cannabis. Als Fachärztin für Psychiatrie und Neurologie an der Medizinischen Hochschule Hannover zeigte sie auf, wie (un-)gesund Cannabis ist und welche therapeutischen Einsatzsatzmöglichkeiten Medizinalcannabis bietet. Anschließend präsentierte Prof. Dr. Bernd Werse einige Erkenntnisse aus dem Projektbericht zur Auswirkung der Teillegalisierung hinsichtlich Konsumverhalten und Bezugsquellen. (Den ausführlichen Bericht finden Sie unter:  KonCanG_Projektbericht.pdf)

Anschließend folgten die Grußworte des Niedersächsischen Ministers für Soziales, Arbeit, Gesundheit und Gleichstellung, Dr. Andreas Philippi. Als Arzt war es ihm ein Anliegen, noch einmal auf die Risiken von Cannabis vor allem für Kinder und Jugendliche hinzuweisen.

Zwei Podiumsdiskussionen gaben vielen Akteuren, die durch das Konsumcannabisgesetz „betroffen“ sind, die Möglichkeit, zu Wort zu kommen. Das erste Podium widmete sich den Gesetzeszielen, den Verbraucherschutz zu stärken und den Schwarzmarkt zurückzudrängen. Jule Heyn (Landwirtschaftskammer Niedersachsen), Markus Häckl (Dezernat für Kriminalitätsbekämpfung und Prävention der Polizei Hannover), Rike Koop (Cannabis Social Club Nordheide), Minyi Lü (Falkenapotheke Hannover) und Evelyn Popp (Drob Delmenhorst) argumentierten einhellig, dass die aktuellen Regelungen den illegalen Handel nicht ausreichend eindämmen würden und der Freizeitkonsum nicht über Apotheken gedeckt werden sollte.

In den Pausen bot der Markt der Möglichkeiten Einblicke in verschiedene Interventions- und Präventionsprogramme wie Realize It, Move, FreD Next Level, ESIC und Cannabis – Quo Vadis.

Nach der Mittagspause, in der alle Zeit für Gespräche und Networking hatten, standen der Jugendschutz und die Prävention im Mittelpunkt:  Heike Gronewold (Fachstelle Sucht im Kirchenkreis Verden), Dominica Lachowicz (Landesstelle Jugendschutz Niedersachsen), Bärbel Lörcher-Straßburg (Niedersächsisches Ministerium für Soziales, Arbeit, Gesundheit und Gleichstellung), Gertrud Plasse (Regionales Landesamt für Schule und Bildung in Hannover) und Matthias Thoms (Landeskriminalamt Niedersachsen) diskutierten, ob der Jugendschutz im Gesetz genügend Berücksichtigung fand und welche Umsetzungsprobleme es gibt. Kritikpunkte waren u. a. fehlende Fördermittel und Personalressourcen für Präventionsarbeit in Schulen.

Ein weiteres Thema war das Modellprojekt zum Cannabisgebrauch mit kontrollierter Abgabe in Hannover, das derzeit in der Planungs-/ Vorbereitungsphase ist. Ein nächster Schritt bei der Umsetzung könnte im 3. Quartal erfolgen (Frank Woike, Beauftragter Sucht und Suchtprävention der Landeshauptstadt Hannover). Aus Hamburg berichtete Dr. Léa Laurenz (Oberärztin Adoleszentenpsychiatrie, Universitätsklinikum Hamburg-Eppendorf) über Veränderungen in der Behandlung einer Cannabis-Konsumstörung und der damit verbunden S3-Leitlinie: Evidenzbasierte Therapien für Erwachsene umfassen unter anderem motivierende Interventionen, motivational Interview, die KVT; weiterhin werden Realize It und Candis empfohlen.

Dr. Elisabeth Wienemann (Dozentin Betriebliches Gesundheitsmanagement) beleuchtete Chancen und Herausforderungen der betrieblichen Suchtprävention. Eine ausführliche Ausarbeitung zu ihrem Vortrag wurde im NLS-Infobrief „Cannabis und … betriebliche Suchtpraevention“ veröffentlicht.

Den Abschluss bildete Tobias Kunze, der als Bühnenpoet die Tagung in einem Gedicht Revue passieren ließ.

Fazit: Die Tagung war erfolgreich, informierte und vernetzte Fachkräfte, zeigte aber auch, dass viele Fragen sowohl wissenschaftlich als auch in der praktischen Arbeit noch offen sind und es auf allen Ebenen noch Anstrengung bedarf, den Paradigmenwechsel in der Suchtpolitik erfolgreich zu gestalten. Besonderer Dank ging an das NLS-Team für die Organisation, an alle Referent*innen, die Teilnehmenden und die Mitarbeitenden des Pavillon und Mezzo, die zum Gelingen des Tages beigetragen haben.

© Fotos: Ricarda Henze