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Was ist Sucht?

Der Begriff “Sucht” ist eher umgangssprachlich, in der Medizin wird inzwischen meist von Abhängigkeit gesprochen. Oft werden die Begriffe als Synonym verwendet. Auch wenn es in der Öffentlichkeit häufig noch anders gesehen wird, ist Sucht keine Charakterschwäche, sondern eine anerkannte Krankheit. Sie wird mit den Ziffern F 10-19 im ICD 10 (Internationale statistische Klassifikation der Krankheiten und verwandter Gesundheitsprobleme) diagnostiziert. Ein zentrales Merkmal ist der Kontrollverlust über das eigene Verhalten. Ähnlich wie bei anderen psychischen Krankheiten wie Depression ziehen sich Suchterkrankungen unabhängig von Intellekt oder sozialem Status durch alle Schichten der Bevölkerung. Jede Person kann davon betroffen sein.

Die noch weit verbreitete Stigmatisierung abhängigkeitskranker Menschen erschwert es den Betroffenen, Hilfe in Anspruch zu nehmen und hat darüber hinaus auch negative Auswirkungen auf deren soziales Umfeld.

Unterscheidung psychische und physische Abhängigkeit

Es lassen sich zwei Formen der Abhängigkeit unterscheiden, die physische und die psychische Abhängigkeit.

Die physische oder körperliche Abhängigkeit zeigt sich im Auftreten von Entzugserscheinungen, wenn der Konsum eingestellt wird. Diese reichen von Schlaflosigkeit, Unkonzentriertheit und Unausgeglichenheit über Schwitzen, verschiedensten Schmerzen bis hin zu Krämpfen. Bei einzelnen Substanzen wie Alkohol kann es lebensbedrohlich sein, wenn diese nach hohem Konsum plötzlich abgesetzt werden. Auch deshalb ist es ratsam den Entzug im Krankenhaus durchzuführen. Allein die Behandlung der psychischen Abhängigkeit reicht in der Regel nicht aus, um die Suchterkrankung langfristig zu überwinden.

Die Behandlung der psychischen Abhängigkeit erfolgt in der Suchttherapie. Hier stehen die individuellen Konsummotive im Vordergrund und es werden alternative Verhaltensmöglichkeiten erarbeitet. Diese Behandlung kann ambulant oder (teil-)stationär erfolgen und wird in der Regel von der Rentenversicherung oder der Krankenkasse bezahlt.

Die vollständige Abstinenz ist nicht das einzig mögliche Ziel der Suchtberatung und -behandlung. Teilweise ist es auch möglich, mit der Unterstützung des Hilfesystems die Kontrolle über den Konsum zurückzuerlangen.

Unterscheidung stoffliche und nicht stoffliche Abhängigkeiten

Bei den stofflichen Abhängigkeiten wird die Wirkung durch den Konsum einer Substanz hervorgerufen. Die am häufigsten auftretenden stofflichen Abhängigkeiten bestehen in Zusammenhang mit den legalen Substanzen Nikotin, Alkohol und Medikamenten. Auch wenn diese Substanzen legal sind, haben sie ein erhebliches Suchtpotential. Die am weitesten verbreitete (noch) illegale Substanz ist Cannabis. Zudem spielen auch Substanzen wie Heroin, Kokain, Amphetamine oder Halluzinogene in der Suchthilfe eine Rolle.

Bei den nicht stofflichen Abhängigkeiten wird auch von einer Verhaltenssucht gesprochen. Seit 2001 ist die Glücksspielsucht als Krankheit anerkannt. Weitere Informationen zur Glückspielsucht finden Sie hier.

Eine weitere Verhaltenssucht, wegen der Menschen in der Suchthilfe Unterstützung finden, wird inzwischen als Internetbezogene Störungen (IBS) bezeichnet. Hierbei handelt es sich um den Kontrollverlust bei bestimmten Anwendungen wie:

  • Computerspiele
  • Nutzung von Social Media
  • Nutzung von Online Erotikangeboten
  • Online Kaufsucht

Weitergehende Informationen zur Mediensucht finden Sie hier.

Besondere stationäre Angebote gibt es für Frauen, für Eltern mit Kindern und für Minderjährige. Auch Kombinationsmodelle zwischen ambulanten und stationären Angeboten (Reha-Kombi Nord) sind möglich. Darüber hinaus sind vereinzelt auf lokaler Ebene tagesklinische (teilstationäre) Angebote zur Behandlung im Rahmen einer ganztägig ambulanten Rehabilitation entstanden. Ihre lokale Suchtberatungsstelle berät Sie gerne zu Fragen in diesem Bereich und unterstützt Sie bei der Antragstellung.

Suchtentwicklung

Die Entwicklung einer Abhängigkeit ist in der Regel ein längerer Prozess, Konsum bzw. Verhalten steigern sich und die Kontrolle lässt zunehmend nach. Das Suchtmittel bzw. das süchtige Verhalten nimmt einen immer größeren Stellenwert im Leben ein und andere Interessen und soziale Kontakte rücken zunehmend in der Hintergrund. Ehe die medizinischen Kriterien erfüllt sind, kommt es in aller Regel schon zu Belastungen aufgrund der sich entwickelnden Abhängigkeiten. Oft sind es Anzeichen wie körperliches Unwohlsein, Streit im sozialen Umfeld, finanzielle Probleme oder Probleme auf der Arbeit oder in der Schule und Ausbildung.

Ein Konsum bzw. süchtiges Verhalten wird in der Regel dann problematisch, wenn es gezielt zur Befindlichkeitsregulierung (Abbau von Stress, Leistungssteigerung, nicht Wahrnehmen von Belastungen) eingesetzt wird.

Es ist ratsam, sich schon in dieser Phase an eine Suchtberatungsstelle zu wenden. Je früher eine Intervention ansetzt, umso höher ist die Wahrscheinlichkeit die Probleme leichter zu bearbeiten.